Trau keiner Statistik ...
... die du nicht selbst gefälscht hast.

Da ich ja selbst eine Vorliebe für Statistiken habe, weiß ich gern über die Hintergründe Bescheid. Am Montag ist mir ein interessantes Buch in die Hände gefallen. Es heißt "Mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit - Logisches Denken und Zufall" von Hans-Hermann Dubben und Hans-Peter Beck-Bornholdt. Da ist ein interessantes Beispiel über die Lebenserwartung von Krebskranken enthalten. In vielen Statistiken, die veröffentlicht werden, heißt es ja immer, dass die mittlere Lebenserwartung von Krebskranken in den letzten Jahrzehnten gestiegen sei, und man ist versucht zu denken, dies habe mit fortschrittlicheren Behandlungsmethoden zu tun. Beispielsweise können heutzutage schon kleinere Tumoren entdeckt werden, während sie noch vor 20 Jahren in der Größe unter der Nachweisgrenze waren. Dieser Umstand allein bewirkt in der Statistik jedoch schon eine Erhöhung der mittleren Lebenserwartung, obwohl die einzelnen Individuen de facto immer noch dieselbe Lebenserwartung haben wie immer oder sogar eine schlechtere haben! Nicht zu glauben? Doch mit einem ganz einfachen Beispiel kann man das zeigen.

Das Beispiel ist wie folgt: Nehmen wir an, wir haben 7 Patienten. 3 davon haben große Metastasen und daher eine schlechte Prognose mit einer Lebenserwartung von 10 Monaten. 3 andere Patienten haben keine Metastasen und eine gute Prognose und eine Lebenserwartung von 50 Monaten. (Es handelt sich hierbei nur um ein Zahlenbeispiel, ich würde 50 Monate Lebenserwartung nicht als gute Prognose bezeichnen! Das ist hier relativ zu den anderen gemeint). 1 Patient hat kleine Metastasen und eine Lebenserwartung von 30 Monaten. Nehmen wir weiter an, vor 20 Jahren konnte man die kleinen Metastasen noch nicht entdecken. Der Patient wird in die Gruppe "gute Prognose" einsortiert, weil man meint, er habe keine Metastasen. Die 3 Patienten ohne Metastasen ebenfalls. Die 3 Patienten mit großen Metastasen werden in die Gruppe "schlechte Prognose" einsortiert. Nachdem alle gestorben waren (nehmen wir an, nach genau ihrer Lebenserwartung), erhält man für die Gruppe "schlechte Prognose" eine mittlere Lebenserwartung von
3*10/3 Monate = 10 Monaten.
Die Gruppe "gute Prognose" hat eine mittlere Lebenserwartung von
(30 + 3*50)/4 = 45 Monaten.

Nehmen wir an, dieselben Patienten würden heute behandelt, und ihre tatsächliche Lebenserwartung wäre jeweils um 1 Monat gesunken. Die drei mit großen Metastasen hätten also 9 Monate, die drei ohne Metastasen 49 Monate und ein Patient 29 Monate Lebenserwartung. Heute kann man aber die kleinen Metastasen entdecken und sortiert diesen Patienten deshalb in die Gruppe "schlechte Prognose" ein. Rechnen wir wieder die mittlere Lebenserwartung aus:
schlechte Prognose: (29 + 3*9)/4 = 56/4 = 14 Monate
gute Prognose: 3*49/3 = 49 Monate

D.h. beide Gruppen haben in der Statistik eine Erhöhung der mittleren Lebenserwartung um 4 Monate, obwohl sie für den Einzelnen de facto um 1 Monat geringer ist! Soviel also zum Thema Statistik...

Was lerne ich daraus? Ich würde die Einsortierung in die zwei Gruppen nicht vornehmen, solange nicht klar ist, wohin jedes einzelne Individuum wirklich gehört. Bei jeder Messung gibt es eine Nachweisgrenze, das ist immer so und wird immer so sein, die Nachweisgrenze verschiebt sich lediglich mit neueren Diagnosemöglichkeiten. Wenn ich also Statistiken von früher und von heute vergleichen will, muss ich dies berücksichtigen und ggf. so tun, als hätte ich immer noch die Nachweisgrenze von früher.

Ich weiß nicht, wie die tatsächlichen Statistiken aufgrund der Krebsregister-Daten erstellt werden. Und weil ich das nicht weiß, kann ich mit den Ergebnissen wenig anfangen. Ich kann es schlicht nicht beurteilen, was das für mich selbst bedeutet. Das wissen nur diejenigen, die die Statistiken machen - wenn sie es denn wissen - aber das will ich doch mal ganz stark hoffen!
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Es geht bergauf :-)
Ich merke jetzt jeden Tag, wie es besser geht! :-) So langsam verabschiedet sich die Chemo aus dem Körper, und nach und nach normalisiert sich alles. Okay, meine schöne Arm-Vene wird immer so vernarbt bleiben....

Heute hatte ich immerhin einen relativ anstrengenden aber auch schönen Tag. Ich hatte heute vormittag eine Besorgung gemacht, am Mittag habe ich Eike vom Kindergarten abgeholt, und dann sind wir gleich direkt zu einer Freundin gedüst, um mit ihr und ihren Kindern ihre Eltern zu besuchen. Ihre Mama - ihres Zeichens Friseurin - hatte sich bereit erklärt, meine Perücke mal wieder auf Vordermann zu bringen. Nun zunächst einmal galt es, 2 Staus zu überwinden, dann 3 Kindersitze nebst dazugehörige Kinder im Alter von 2,5 bis 5,5 Jahren in meinem Auto unterzubringen. Durch den dritten Stau schafften wir es schließlich auf die Autobahn, und schon um halb vier waren wir am Ziel.

Der Nachmittag war für die Kinder das Nonplusultra - Trägger fahrn mit Opa C. nebst Bollerwagen-Anhänger und Plastiktrecker hinten drein. So viele Achsen sind gar nicht erlaubt! *lol* Derweil kümmerte sich Oma I. um meine Perücke, d.h. wir besprachen, wie es am besten aussieht, wie sie hergerichtet werden sollte usw.

Es war dann schon nach sechs, als wir wieder loswollten. D.h. los wollten nur meine Freundin und ich. Die Kinder wollten allesamt da bleiben. Auch Eike! Aber während Opa C. die Begeisterung der Kinder zu bleiben unterstützte, rollte Oma I. mit den Augen. Keine Frage, Eike musste wieder mit nach Hause, ob er nun wollte oder nicht. Die Kinder meiner Freundin blieben bei Opa und Oma. Eike war auf der Rückfahrt ratzfatz eingeschlafen.

Jedenfalls habe ich heute so manchen Kilometer im Auto abgerissen und vier Staus ertragen. Ich fand, das klappte schon erstaunlich gut. Das Wetter heute war aber auch ausgesprochen schön, gestern habe ich noch geflucht. Und bei Sonnenschein muss man einfach gute Laune haben!
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Antihormontherapie
Heute war ich bei meinem Frauenarzt. Ich habe ihm vom Abbruch der Chemotherapie berichtet, die Beschwerden, die ich noch habe usw. und habe ihn gefragt, wann die Antihormontherapie beginnen soll. Daraufhin hat er mir gleich eine Spritze mit GnRH-Analoga verpasst. Das ist keine normale Spritze, sondern eine, die ein Stäbchen unter die Haut injiziert. Dieses Stäbchen gibt nach und nach das Medikament ab. Ca. alle 4 Wochen wird das wiederholt. Das ist dann auch eine Sache, die man nicht selbst machen kann - also darf ich wohl in den nächsten 5 Jahren alle 4 Wochen zum Frauenarzt dackeln.

Das Rezept für Tamoxifen hat er auch gleich ausgestellt. Wird sicher bestellt werden müssen, aber das ist ja kein Problem. Wenn ich morgen erst damit anfange, ist es wohl auch okay.

Nachdem ich gestern die Mitarbeiterin vom Sozialdienst nicht erwischt hatte, versuchte ich es heute direkt. Und das klappte prima, sie war in ihrem Büro, und wir haben gleich den Antrag für die Anschlussheilbehandlung ausgefüllt. Erst hatten wir den falschen Antrag, weil sie dachte, ich muss keine Strahlentherapie mehr machen. Aber mit Strahlentherapie ist es sogar noch besser, denn dieser Antrag wird direkt in der Wunschklinik abgegeben und man bekommt gleich einen Termin. Dazu ist es wichtig zu wissen, wie lange das noch mit den Bestrahlungen dauert und vor allem, wie man das verträgt. Sie sagte nämlich, dass die Haut sich erst erholen muss, bevor man zur Reha gehen kann. Wenn die Hälfte der Bestrahlungen um ist, soll ich sie wieder anrufen, und dann meldet sie mich in der Klinik an. Also denke ich mal, wird die Reha frühestens Mitte August beginnen, spätestens nach der ersten Septemberwoche, weil nach hinten die 5 Wochen-Begrenzung gilt. Die Reha muss spätestens 5 Wochen nach Ende der Strahlentherapie beginnen.

Heute habe ich also richtig was geschafft!
in: Brustkrebs
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Zwei Frauen - von Diana Beate Hellmann
In den letzten Tagen bin ich dann doch mal zum Lesen gekommen. Ich habe ein anderes Buch aufgegeben und ein neues angefangen: Zwei Frauen. Aus dem Klappentext: Für die junge Ballettänzerin Eva Martin bricht die Welt zusammen, als sie die Diagnose erfährt: Krebs! In der Strahlenklinik muss sie das Zimmer mit einer jungen Frau teilen, die in allem das Gegenbild zu sein scheint: frech, selbstbewusst und ungebildet. Aber dann beginnt eine Freundschaft von ungewöhnlicher Tiefe...

Was mich an diesem Buch beeindruckt hat, war die Schonungslosigkeit in der Beschreibung des Alltags in der Klinik. Über zwei Jahre hat Eva dort verbracht, und ich glaube, wenn sie dort in ihrer Zimmergenossin keine Freundin gefunden hätte, hätte sie es nicht durchgestanden. Ich hätte es nicht durchgestanden. Man bekam etwas mit von der Unfähigkeit bisheriger "Freunde", mit der Krankheit klarzukommen. Man bekam etwas mit von einer Lebensgeschichte einer Krebskranken, ihrer Kindheit und ihrem Streben nach Erfolg. Eva hat ihre Kindheit dem Ballett geopfert, sie hat sogar ihre Familie verlassen, um weiter an ihrer Ballettkarriere zu arbeiten, sie hat unter äußerster Disziplin alle Bedürfnisse ihres Körpers und ihrer Seele dem Ballett untergeordnet. Die Krankheit holte sie auf den Boden der Tatsachen zurück. Wenn man dieses Buch liest, kommt man nicht umhin, zu begreifen, dass der Krebs zwangsläufig kommt, wenn man in seinem Leben wesentliche Bedürfnisse ignoriert. Genauso wie man über diese Bedürfnisse hinweggeht, gehen die Tumorzellen über das benachbarte Gewebe hinweg. Die Krankheit macht deutlich, was im Leben falsch läuft!
in: Brustkrebs
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Immer noch ...
... habe ich Nachwirkungen von der Chemo. Letzte Nacht habe ich mich im Bett gewälzt. Irgendwas in meinen Eingeweiden war nicht okay. Mir ging immer wieder das Wort "Caulophyllum" durch den Kopf. Ich schwitzte. Am Morgen dann, als ich mit Eike aufgestanden bin, hatte ich erstmal Durchfall. Mein Blutdruck war - nach dem Duschen! - bei 93/66, und die Pulsfrequenz bei 91 pro Minute. Dementsprechend fühle ich mich auch.

Caulophyllum - im Netz findet man unter anderem diesen Beitrag: "Die Wurzeln stehen für eine Phase des Wurzel-Schlagens, die ja häufig gerade mit Schwangerschaft verknüpft ist. Wie auch bei den Meerestieren gibt es als weiteren Berührungspunkt den Bezug zu Bewegung und Wasser. Bewegungslosigkeit, Stillstand, Abneigung gegen Gesellschaft (Vergraben sein) sind charakteristisch für die Wurzeln. Wer die Caulophyllum-Wurzel betrachtet, erlebt sie als auffallend verschlungen – „verkrampft“ – und findet so bereits wichtige Hinweise auf die Mittelwirkung. Nichts kann in Gang kommen – es mangelt an Bewegungsenergie, an Fortschritt, an der Fähigkeit, los zu lassen. Das zeigt sich dann vor allem während der Geburt, aber auch bei den versteiften Finger- oder Zehengelenken, die unter Caulophyllum zu beobachten waren.

Zum ersten Mal liegen nun auch brauchbare Gemütssymptome der Frauenwurzel vor. Zentral ist dabei das Lebensgefühl einer Wurzel: unterirdisch, dunkel – entsprechend also „will meine Ruhe haben“, „fühle mich von Leben abgeschnitten“. Als entgegen gesetzter Pol dann der Energieschub, Klarheit, Wachheit, sexuelle Erregung, auch Unruhe. Schusters umfassendes Bild von Caulophyllum mit den Ergänzungen der Materia Medica wartet jetzt darauf, Eingang in die Praxis zu finden. Dann wird sich zeigen, dass Caulophyllum als eines der wichtigsten Mittel für Schwangerschaft und Geburt hilfreich ist – und darüber hinaus weitere Beeinträchtigungen der Lebenskraft zu heilen weiß."

Caulophyllum... Okay schwanger bin ich nicht, aber dieses Gefühl, nichts kommt in Gang, mangelnde Bewegungsenergie würde schon passen. Als ich Eike damals geboren hatte, hätte ich dieses Mittel auch gut gebrauchen können, weil ich Eike quasi auch nicht loslassen wollte.
in: Brustkrebs
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