Die Ausschabung (2)
eikesmom, Dienstag, 30. Dezember 2008, 22:09
Letzte Nacht habe ich kaum ein Auge zugetan. Die Kopfschmerzen, die ich gestern hatte, kamen wieder. Flüssigkeitsmangel? Koffeinentzug?
Das Frühstück kam ziemlich spät, es gab 2 Scheiben Weißbrot mit Marmelade, Honig, Pflaumenmus und Frischkäse. Das war okay. Offenbar glaubte man mir jetzt, dass ich was zu essen brauche, wenn ich wieder auf die Beine kommen will.
Um 10 Uhr kam die Visite. Allerdings konnte mir die Ärztin nicht genau sagen, was sie gemacht haben, da sie selbst nicht bei der OP dabei war und der OP-Bericht für sie nicht eindeutig zu entschlüsseln war. Seufz! Aber man versprach mir, dass die OP-Ärztin noch kommen würde. Und vor allem stellte man in Aussicht, dass ich heute schon nach Hause kann!
Die besagte Ärztin kam und erklärte mir genau, was sie gemacht haben. In der Bauchspiegelung haben sie sich die Eierstöcke genau angesehen und fanden sie unauffällig. Auch die Leber war unauffällig. Der linke Eileiter war allerdings stark verdickt. Die Zyste, von der wir dachten, dass sie am Eierstock ist, war in Wirklichkeit im Eileiter. Die Zyste wurde aufgeschlitzt und mit ausgeschabt. Ansonsten haben sie nicht mehr viel Schleimhaut zum Ausschaben gefunden (war ja fast alles schon abgeblutet). Das Ausgeschabte haben sie untersucht und fanden keinerlei Malignität! *freu*
Die rechte Zyste war bestimmt auch im Eileiter und ist während der Blutung bestimmt mit abgegangen. Daher ist es zu erklären, dass die Ärztinnen im Krankenhaus, die mich ja nach der Blutung untersucht haben, die rechte Zyste nicht gefunden hatten.
Somit ist nun alles gut, und das neue Jahr kann kommen!
Ich durfte in der Tat heute schon nach Hause, und meine Familie freut sich mit mir.
Mannomann... da hast Du Arme ja was durchgemacht in den letzten Tagen! Aber ich bin so beruhigt, dass keine Malignität gefunden wurde und dass Du die Zysten (auf welchem Weg auch immer) nun los bist! Das ist super, ich freu mich sehr für Dich!
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Die Ausschabung (1)
eikesmom, Montag, 29. Dezember 2008, 23:57
Heute früh um 6 Uhr waren wir bereits im Krankenhaus eingetrudelt. Eigentlich sollte ich um 6:30 Uhr erscheinen, aber ich bin scheinbar immer zu früh da.
Ich kam zu einer sehr netten Frau ins Zimmer, bekam meine Thrombose-Strümpfe, die Beruhigungstablette. Ich packte meine Sachen in den Schrank und machte mich fertig für die OP. Nachdem ich die Tablette genommen hatte, lag ich nun im Bett und fragte mich, ob ich wohl wieder wie damals von der Tablette schon einschlafen würde. Und es war auch so. Ich bekam nicht mit, wie sie mich zur OP abgeholt haben. Ich kann mich nicht mal mehr erinnern, ob ich im Aufwachraum wirklich schon wach war. Muss aber wohl so gewesen sein, denn ich habe noch die Uhr an der Wand vor meinem inneren Auge, die irgendwas um 11 Uhr anzeigte.
Mein Kreislauf war zunächst nach der OP ziemlich im Keller. Blutdruck 100/50. Ich durfte keinesfalls alleine aufstehen, sagte man mir. Aber mein Magen knurrte. Mittagessen bekam ich keins. Als es den Abend zu ging, hoffte ich wenigstens auf ein gescheites Abendbrot.
2 Zwiebäcke bekam ich. Wie soll ich denn da auf die Beine kommen? Nach vehementer Nachfrage bekam ich noch eine halbe Scheibe Graubrot mit einer Scheibe Käse. Danach fühlte ich mich deutlich besser.
Der erste Toilettengang war etwas schmerzhaft, da ich noch etwas wund war und der konzentrierte Urin brannte.
Ich kam mir ziemlich dämlich vor, auf der Toilette zu sitzen, während die Krankenschwester in der Tür steht und mich beobachtet. Damit ich auch ja nicht umkippe. Sogar beim Zähneputzen stand ich unter Beobachtung.
Auf meinem Bauch sind drei Pflaster von der Bauchspiegelung, aber keine Wunddrainage. Ich frage mich, was sie denn nun gemacht haben? Sind die Zysten dringeblieben?
OP oder doch nicht - ja nein vielleicht...
eikesmom, Sonntag, 21. Dezember 2008, 19:30
Keine Ahnung, wie ich diesen Beitrag überschreiben soll.
Am 12.12. ging ich ins Krankenhaus zur OP. Zumindest war es so geplant. Zunächst einmal mussten beim Empfang die Formalitäten erledigt werden. Die Frage "Sind sie privat versichert?" brachte mich innerlich schon auf die Palme. Wer weiß, ob man mit mir anders umgegangen wäre, wenn ich privat versichert gewesen wäre? Dann schickte man mich auf die Station oben in der Frauenklinik.
Warten im Aufenthaltsraum.
Dann hieß es, sie hätten dort keine Betten frei, ich müsse in die Innere Medizin, 2 Häuser weiter. Fahrstuhl wieder runter, raus, rechts 100 Meter, durch das Hauptgebäude durch, weiterfragen, am Ende wieder raus ins nächste Gebäude. Den langen Gang runter, nach oben in die 2. Etage, durch eine andere Station hindurch, den Gang wieder zurück und ich bin da.
Warten am Ende des Ganges.
Einzug ins Zimmer. Dort liegen bereits 2 alte Damen, die nicht mehr gut zu Fuß sind.
Es heißt, meine OP sei um 10 Uhr angesetzt.
Ich hole ein Taschenbuch aus der Tasche, beginne es zu lesen.
Die Zeit verrinnt.
Um meine Mitpatientin nicht bei ihrer Toilette zu stören, setze ich mich auf den Stuhl auf dem Gang und lese weiter.
10 Uhr ist vorbei und nichts ist passiert.
Kurz vor elf bekomme ich meine Thrombosestrümpfe, etwas später Kliniknachthemd, Einmalslip und Vorlage. Kurz vor halb zwölf werde ich von zwei Pflegern abgeholt. Mein Bett wird in einen Krankenwagen geschoben, es geht zurück in die Frauenklinik, wo ich operiert werden soll. Dort werde ich erstmal im Aufwachraum geparkt. Man sagt mir, es wird aber noch eine Weile dauern. Wie lange denn?, frage ich. Nach einem Blick auf den Plan antwortet der Anästhesiepfleger: 2 Stunden.
ZWEI STUNDEN!
Nach einer Viertelstunde ist es aber plötzlich schon soweit. Auf dem Gang wechsele ich von meinem Bett auf den OP-Tisch. Der ist kalt. Ich werde nur mit 2 Lagen Tüchern zugedeckt und zittere wie Espenlaub. Nicht nur wegen der Kälte, sondern auch vor Aufregung. Die Beruhigungstablette habe ich bis dato noch nicht bekommen. Im OP-Vorraum bereitet der Anästhesist alles für die Narkose vor. Ich sag ihm noch, er muss den rechten Arm nehmen, da links die Achsellymphknoten entfernt wurden. Ich strecke den rechten Arm aus. Da heißt es plötzlich, ein Notfall sei dazwischen gekommen, der vorgezogen werden muss. Ich gehe wieder zurück in mein Bett, welches die paar Minuten unter der Wärmelampe stand und jetzt schön kuschelig warm ist.
Ich werde wieder in den Aufwachraum geschoben und bekomme die Beruhigungstablette. Eine halbe Stunde später schlafe ich davon ein.
So gegen halb zwei wurde ich wieder wach. Es war nichts weiter passiert. Kurz vor zwei kam der Chirurg höchstpersönlich zu mir und sagte, dass das heute nichts mehr wird.
Einundzwanzig, zweiundzwanzig ... ganz ruhig ... ach ja, ich hab ja auch noch die Beruhigungstablette intus, ich muss also nicht ausflippen!
Er würde ja durchaus bis 22 Uhr operieren ...blabla.... aber es sei kein Pflegepersonal da... blabla .... sie mussten einige Kürzungen hinnehmen und Personal entlassen .... blabla...
Verdammt nochmal &§$%&§&(§&§(§&
Ich kochte vor Wut und hätte am liebsten jemanden verprügelt. Vielleicht kaufe ich mir doch noch mal einen Sandsack, häng den auf dem Dachboden auf, und immer, wenn mich die Wut packt, hau ich dem Sandsack eine rein!
Man versprach mir die OP am folgenden Montag, gleich als erste.
Ich werde wieder zurück gekarrt in die Innere Medizin, rufe meinen Mann an, dass der mich abholt. Um halb vier ist er da.
Am Wochenende kam dann noch alles ganz anders. Den Samstag nutzte ich für Weihnachtseinkäufe in der Stadt. Stand in überfülltem Zug, bummelte durch die überfüllte Innenstadt.
Am Abend ging es dann los. Durchfall. Erbrechen. Stundenlang bis tief in die Nacht. Kreislaufprobleme. Wenn es in den Ohren rauscht, muss man sich schnell hinlegen. Ansonsten fällt man hin.
Mit der OP am Montag war es nun Essig. Durch den Magen-Darm-Infekt habe ich 3,5 kg abgenommen. Erst ein paar Tage später war ich soweit auf dem Damm, dass ich sagen könnte, jetzt können sie mich operieren.
Die OP-Termin-Auswahl wurde nun immer "prickelnder". 23.12. oder 29.12. Ich hab mich dann dafür entschieden, Weihnachten geruhsam mit meinen Lieben zu verbringen und erst kurz vorm Jahreswechsel ins Krankenhaus zu gehen.
Es bleibt spannend.....
novemberregen
21.12.2008 21:14
Ohje, das klingt ja alles extrem nervig - zusätzlich zu den normalen Sorgen, die sowas schon macht.
Ich drücke ganz fest die Daumen, dass nach dem 29. dann wirklich alles gut ist.
eikesmom
21.12.2008 21:31
Gut ist ja daran, dass meine Wut meine Angst hinweggefegt hat. Auch jetzt, nachdem ein paar Tage vergangen sind. Ich mach mir keine Gedanken mehr darum, ob der Krebs mich wieder einholt, sondern eher darum, wie ich mit meiner Wut umgehen soll. Gibt es eine sozial verträgliche Methode, seinen Zorn rauszulassen? Denn, wenn ich den runterschlucke, werde ich krank!
Ich danke Ihnen sehr, Frau Novemberregen, für die gedrückten Daumen!
novemberregen
21.12.2008 22:02
Ich weiß es nicht - vielleicht Sport? Musik? Schreiben?
novemberregen
21.12.2008 22:02
Ich weiß es nicht - vielleicht Sport? Musik? Schreiben?
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Stress
eikesmom, Donnerstag, 11. Dezember 2008, 00:19
Stress entsteht immer dann, wenn andere über meine Lebenszeit entscheiden.
2 Tage nach meinem ersten Termin im Krankenhaus erschien ich wieder dort. Pünktlich zum Termin um 15 Uhr. 2 Stunden später war meine Angst einer Wut gewichen. Denn die 2 Stunden habe ich nur gewartet. Als die Pflegedienstleiterin mir dann eröffnete, dass die Ärztin erst später kommt und ich mich noch gedulden müsse, stand ich kurz vor der Explosion. Ich sagte, dass ich bereits vor 2 Tagen mehr als 6 Stunden in diesem Hause zugebracht habe. Da fiel ihr alles aus dem Gesicht. Hilft mir bloß überhaupt nicht. Ich war wütend - aber ich wusste nicht, wie ich meine Wut loswerden sollte.
Es wurden weitere 2 Stunden. Nach 19 Uhr kam ich erst dran. Eine andere Patientin war noch nach mir dran, die auch 2 Tage zuvor da war.
Viel Neues hat dieser Termin nun auch nicht gebracht. Es bleibt bei Freitag als OP-Termin. Ausschabung und Bauchspiegelung. Ob die Zysten entfernt werden, wird während der OP entschieden.
Während der Wartezeit habe ich ein Buch halb durchgelesen. Die Arbeitszeit, die ich verloren habe, habe ich an meinem freien Tag nachgeholt. Und heute.
Zeit zum Weihnachtsgeschenke-Shoppen war nicht mehr vorhanden. Wer weiß, ob ich das noch geregelt kriege nach der OP. Morgen am letzten Tag vor der OP habe ich dann doch noch einiges zu erledigen. Denn heute trudelte Post vom Rentenversicherungsträger ein. Feststellung von Anrechnungszeiten etc. pp. 3 Formulare waren auszufüllen. Kann mir mal einer erzählen, warum bei mehrseitigen Formularen die Versicherungsnummer auf jeder Seite ausgefüllt werden muss? Wahrscheinlich teilen die sich die Seiten auf.
Witzigerweise jährt sich morgen gerade das Ende meines noch nicht dem Rentenversicherungsträger bekannten Anrechnungszeitraums. Grund der ganzen Geschichte ist nämlich, dass die bisher nicht wissen, was ich nach meinem 17. Lebensjahr bis Ende 1992 gemacht habe. Klar, da habe ich studiert. Bis zum 11.12.1992. Exakt 16 Jahre ist das nun her.
Und meine Kindererziehungszeiten will ich auch angerechnet haben. Also tiger ich morgen mit Diplomurkunde und Familienstammbuch zum Bürger-Service-Büro, lass mir die Kopien bestätigen und dann ab die Post.
Wenn mir dann was passieren sollte - demnächst - man weiß ja nie - dann ist das wenigstens geklärt.