Warum ich?
eikesmom, Sonntag, 12. Februar 2006, 23:49
Ich glaube, diese Frage stellt sich jeder mal - besonders jene, die an Krebs erkrankt sind. Komischerweise stelle ich mir diese Frage erst jetzt. Alle haben sie gesagt, dass man sich das irgendwann fragt, und ich dachte bisher immer, es ist halt Zufall, und es hat eben mich erwischt.
Ausgelöst wurde das eigentlich durch einen Brief, den ich bekam. Es geht darin um die Eintragung ins Krebsregister für statistische und wissenschaftliche Zwecke. Es war klar, dass dieser Brief kommt, davon erzählte man mir schon. Wirklich drüber nachgedacht habe ich nicht. Aber ich bin eh kein Mensch, der davor Angst hat, irgendwo nur noch eine Nummer zu sein. Ich halte statistische Untersuchungen für sehr sinnvoll - wenn man dabei das Individuum nicht ganz aus den Augen verliert.
Trotzdem hat es was in mir ausgelöst. Ich bin nämlich ein Individuum, und mich hat es erwischt. Warum? Ich war ja eigentlich keine Risikopatientin, wenn man davon absieht, dass meine Oma so mit 70 Brustkrebs bekam. Damals wurde das gar nicht groß aufgehängt. Es hieß, sie sei eh schon recht alt und nicht mehr so gut beisammen - und sie musste auch keine Chemotherapie machen. Dabei finde ich 70 noch nicht sooo alt, dass man sagen könnte, das lohnt nicht mehr. Das kann man doch nie sagen! Man weiß doch im Grunde nie, was das Leben für einen noch bereithält, egal wie alt man ist. Ob man nun 2 Jahre, 40 Jahre oder 70 Jahre alt ist. Wer weiß, was alles noch kommt? Ich stelle mir das Leben manchmal als Entscheidungsbaum vor. Immer wieder kommt man an Weggabelungen an und muss sich entscheiden. Und man sieht nie, was dahinter kommt. Man weiß nie, wie lang oder wie schwer der Weg dahinter ist. Ob er in einen Abgrund führt oder ins Paradies. Und dann denke ich, das Ziel dahinter ist gar nicht entscheidend, sondern der Weg. Was bringt der Weg für weitere Weggabelungen mit sich? Und dann wird mir klar, dass man das gar nicht bewerten kann und auch gar nicht sollte. Ich finde nicht unbedingt, dass das Ziel ist, ein besonders LANGES Leben zu führen, also dass der Todeszeitpunkt ganz weit in der Zukunft liegt. Das Leben muss auch einen Sinn haben. Es sollte ereignisreich sein insofern, dass es nicht so dahinplänkelt, und nichts passiert. Es kann nun auch mal was Dramatisches passieren. Man kann ernsthaft krank werden. Und man kann sich darüber Gedanken machen, was das alles für einen Sinn hat.
Als ich von meinem Krebs noch nichts wusste, hatte ich mir schon mal Gedanken um den Sinn von Krankheiten gemacht. In dem Buch "Krankheit als Weg" habe ich einen Ansatzpunkt für diese Gedanken gefunden. Ich fand vieles sehr plausibel. Dennoch hatte ich Schwierigkeiten, daraus wirklich Konsequenzen zu ziehen. Man hat mir mal den Rat gegeben, ich solle viel mehr auf meinen Bauch hören. Ich fand eigentlich, dass ich das schon viel zu oft tue. Nun ja, ehrlich gesagt, ist es oft so: Ich merke, wenn mir eine Situation nicht behagt, ich höre meinen Bauch "reden" - und dann ignoriere ich das und sage, er soll gefälligst den Mund halten und Ruhe geben. So kann es aber auf Dauer nicht gutgehen. Das rächt sich irgendwann früher oder später.
Ich weiß nicht genau, was der Autor des Buches "Krankheit als Weg" zu Krebs genau meinte. Ich habe es schlicht nicht verstanden. Aber vielleicht ist genau das der Grund, warum ich Krebs habe! Und wer weiß, vielleicht komme ich ja noch drauf....
Es wird besser, aber...
eikesmom, Samstag, 11. Februar 2006, 23:48
Nachdem ich die Begleitmedikamente gegen die Übelkeit abgesetzt hatte (genau nach Vorschrift!), hatte ich gleich viel mehr Elan. Gestern bin ich unterwegs gewesen, habe mich um Formalitäten gekümmert, damit mein Krankengeld gezahlt werden kann. Voraussichtlich bis September werde ich arbeitsunfähig sein. Das Jahr hat erst angefangen, und wenn man bedenkt, September! Da ist das Jahr schon zu drei Vierteln um - da wird einem ganz anders.
Prompt als die Nebenwirkungen, die ich der Chemotherapie zuschreibe, erträglich werden, kehrte mein Schnupfen zurück. :-( So etwas Blödes! Ich merke auch, ich bin ständig am Frieren. Ich habe oft so Kälteschauer, es kribbelt am ganzen Körper und ich bekomme eine Gänsehaut. War aber eigentlich klar, jetzt ist das Immunsystem fast unten, Erkältungsviren haben jetzt leichtes Spiel bei mir. Ich hoffe nur, dass ich mir nichts Schlimmeres einfange.
Im übrigen merke ich, wie es in meinem Körper drunter und drüber geht. Es funktioniert eigentlich alles nicht mehr so perfekt. Jetzt wird mir klar, welch Wunderwerk der Natur ein gesunder Körper ist, dessen Zellen ein eingespieltes Team darstellen. Man nimmt das als viel zu selbstverständlich hin! Erst wenn es an allen Enden hakt, merkt man, wie wertvoll die Gesundheit ist.
In diesen Tagen bekomme ich nicht wirklich viel geregelt. Meine Ärztin sagt, ich soll mich ausruhen. Mein Mann schmeißt den Haushalt, und er macht das wirklich gut. Nicht nur deswegen würde ich ihn jederzeit wieder heiraten!
Kraftlos und müde
eikesmom, Donnerstag, 9. Februar 2006, 23:47
Ich fühle mich immer noch kraftlos und müde. Es ist, als würde man durch zähen Honig gehen. Die Haut spannt sich im Gesicht, ab und zu piekst es in den Augen. Wenn ich aber in den Spiegel schaue, sehe ich ein Gesicht, was gar nicht mal so blass ist. Komisch. Ich fühle mich weiß wie die Wand, bin es aber nicht.
Morgen muss es ohne die Medikamente gegen Übelkeit gehen. Morgen steht wieder mal ein Arzttermin an, diesmal aber wegen Formalitäten: Krankengeld. Außerdem muss ich mir die Mammografieaufnahmen wiederholen, weil ich die für den Termin zur Vorbesprechung der Bestrahlung brauche.
O menno, wenn die Chemotherapie doch schon vorbei wäre! Wenn ich dran denke, das Ganze noch 5 mal durchzumachen....!
Was habe ich heute gemacht? Ein bisschen gepuzzelt, ein bisschen gelesen. Mir was zu essen gemacht. Ansonsten nichts. Ich habe Eike in den Kindergarten gebracht und abgeholt. Zu mehr reicht meine Kraft einfach nicht! Ich hoffe, dass die Thymus-Mistel-Therapie bald was bewirkt. Samstag gibt es die zweite Spritze und dann werde ich mir die Spritzen selbst setzen.
Noch mehr Nebenwirkungen
eikesmom, Mittwoch, 8. Februar 2006, 23:43
Heute morgen - äh gestern morgen - habe ich zum ersten Mal was Merkwürdiges bemerkt. Ich reibe gern mal meine Augen, wenn ich müde bin, und müde bin ich zurzeit ja ständig. Beim rechten Auge tut es jetzt aber mächtig weh, wenn ich das tue! Ich frag mich, was das ist! Es ist nur das rechte Auge, beim linken ist alles wie gehabt. Hoffentlich ist das nichts Ernstes... :-(
Unterleibsbeschwerden machen mir auch zu schaffen. Ich hoffe, da bahnt sich jetzt keine Blasenentzündung an. Morgen werde ich mal mit der Klinik telefonieren.
Termine mit Ärzten stehen immer wieder an der Tagesordnung. Ich frage mich, wie manche Frau da noch berufstätig sein kann. Da bleibt ja kaum Zeit übrig! Ich wäre mental auch gar nicht in der Lage, momentan einem Beruf nachzugehen.
Nebenwirkungen
eikesmom, Mittwoch, 8. Februar 2006, 01:45
Am Nachmittag nach der Chemotherapie ging es mir gar nicht gut. Ich fühlte mich total erschlagen, müde, kaputt und hatte ständig dieses Übelkeitsgefühl. Ich habe aber nicht erbrechen müssen. Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, es fühlte sich an, als sei eine Grippe im Anmarsch.
Zum Glück konnte ich am Nachmittag vielleicht eineinhalb Stunden schlafen. Zum Abendbrot habe ich wenigstens eine halbe Scheibe Brot mit Hähnchenbrust essen können. 2 Tassen schwarzen Tee dazu. Abends haben wir etwas ferngesehen, das lenkte mich etwas ab. So gegen 22 Uhr habe ich mich aber wieder ins Bett verkrümelt und muss wohl recht schnell eingeschlafen sein, wie mir mein Mann sagte.
Am nächsten Morgen ging es mir deutlich besser. Okay, schlapp fühle ich mich immer noch. Und ich schaffe es einfach nicht, die Mengen zu trinken, die ich eigentlich sollte. Meine Schwiegermutter brachte mir heute morgen Brötchen mit, das war schön! Sie erzählte mir, wie es Eike geht. Sie sagt, Eike nimmt das schon ganz schön mit, dass ich krank bin. Man merkt es vielleicht nicht direkt, er will es nicht zeigen. Aber so manchmal kommt es durch.
Heute mittag habe ich mir Nudeln mit Hähnchenfleisch und Gemüse auf süß-saure Art gemacht. Mit den Medikamenten gegen die Übelkeit geht es mir jetzt einigermaßen. Heute nachmittag will ich meine erste Thymus- und Mistelspritze bekommen. Schauen wir mal, ob das gut klappt.