Untersuchung auf Metastasen
eikesmom, Freitag, 13. Januar 2006, 23:36
Heute standen weitere Untersuchungen an, um festzustellen, ob es in meinem Körper Metastasen gibt. Die Wahrscheinlichkeit dafür war eigentlich gering, da ja die Lymphknoten nicht befallen waren.
Ich hatte gerade geduscht und nasse Haare, als es hieß, ich würde abgeholt und zur Nuklearmedizin rübergefahren werden. Ich fönte eben meine Haare trocken und wurde im Bademantel rübergekarrt. In einem großen Raum mit schlechter Akustik fragte mich der Nuklearmediziner von weit entfernt, wie groß und wie schwer ich sei, ob ich schon mal Knochenbrüche oder OPs an Knochen gehabt hätte und ob ich schwanger sei oder nicht. Dann bekam ich eine Spritze mit einem Mittel, das Technetium-99 enthält, ein radioaktives Element. Soviel wusste ich aus einer Infobroschüre zumindest. Ich hätte den Arzt gerne noch gefragt, welche Halbwertszeit das Element hat, aber schwupp war er schon wieder weg, nachdem er mir sagte, um 12 Uhr soll ich wieder da sein und bis dahin mindestens 1,5 Liter trinken.
Als ich wieder zurück war, hatte die Schwester netterweise ein Frühstück für mich bereitgestellt. Um die Zeit war nämlich der Buffetraum längst wieder zu. Ähnlich ging es dann am Mittag. Ich musste ja wieder in die Nuklearmedizin genau dann, wann es eigentlich Mittagessen gibt. Naja. Mein Appetit wurde eh von Tag zu Tag weniger, obwohl man über das Krankenhausessen wirklich nicht meckern konnte.
Um viertel vor 12 wurde ich also wieder abgeholt und rübergefahren. Erst musste ich meine Blase entleeren und dann alle Metallteile abgeben. Ich hatte ja noch die Flasche, die das Wundsekret absaugen sollte mit einer Sicherheitsnadel am Bademantel befestigt. Die Nadel musste ich abmachen. Dann sollte ich mich auf eine schmale Pritsche legen, um die herum die Spezialkamera herumfahren und entlangfahren konnte. Meine Füße wurden locker zusammengebunden, die Arme sollte ich lang ausstrecken, Daumen nach oben, dicht am Körper. 20 Minuten lang durfte ich mich nicht bewegen. In dieser Zeit fuhr die Kamera meinen gesamten Körper ab und registrierte die Strahlung, die aufgrund des Zerfalls von Technetium-99 aus meinem Körper kam. Vor allem aus den Knochen eben. Und es hieß, dass das Zeug sich besonders in Knochenmetastasen sammelt.
Das Ganze nennt sich Skelett-Szintigrafie.
Als ich fertig war, fragte ich den Assistenten, ob die Kamera ein Gamma-Detektor ist. Aber mit dieser Frage habe ich den jungen Mann schon überfordert *grins*. Der Arzt von vorhin kam kurz rein, schaute sich das Bild an und sagte, es sei unauffällig und verschwand wieder. Scheint ein recht vielbeschäftigter Mensch zu sein!
Nun stand noch der Leberultraschall an. Es heißt, Metastasen bilden sich zuerst in Knochen und der Leber. Aber der Nachmittag blieb ruhig. Am Vormittag war eine neue Patientin zu mir ins Zimmer gekommen, die vorher im Intensivzimmer lag und eine Gebärmutter-OP hatte. Am Nachmittag kam nur die Physiotherapeutin, diesmal ohne die Schülerin, die leider in der Familie einen Todesfall hatte und sich freigenommen hatte. Das tut mir sehr leid.
Als es Abendbrot gab, dachte ich, so ein Mist, wenn das mit dem Leberultraschall nicht mehr klappt, muss ich doch noch bis Montag warten! Ich telefonierte gerade mit meiner Mutter, als es plötzlich hieß, ich soll zum Leberultraschall, dabei war es schon 19 Uhr durch! Nun gut, dann kann ich ja doch am Wochenende nach Hause.
Aber die junge Ärztin (wir kannten uns schon vom 4. Januar) fand einen hellen Bereich an meiner Leber, den sie sich nicht erklären konnte. Sie versicherte mir, dass das nichts Bösartiges ist, aber dennoch sollte sich das die Oberärztin mal anschauen. Seufz! Oder die Radiologie am Montag. Na bravo!
Ich war wütend. Ich wollte doch Samstag nach Hause!
Okay, dann wenigstens Sonntag!
Ein Tag mit viel Trubel
eikesmom, Donnerstag, 12. Januar 2006, 23:35
Gestern abend konnte ich kaum einschlafen, so aufgeregt war ich. Ein Vorstellungsgespräch! Und ich muss da noch anrufen und es bestätigen. Schwester Elke bot mir ein Schlafmittel an, aber das wollte ich nicht. Aber die Rescue-Tropfen habe ich ausprobiert. Ich hatte vor lauter Aufregung vor meinem inneren Auge schnell wechselnde Bilder mit vielen Zacken. Unter den Rescue-Tropfen veränderten sich diese Bilder, sie änderten sich langsamer und am Ende schienen es nur noch sanfte Sinuswellen zu sein. Die Wirkung war nicht dramatisch, aber dennoch half es.
Heute waren eine ganze Menge Leute bei mir im Krankenhaus! Ich war ja nun mit der Kunsttherapeutin verabredet. Kurz vorher kam dann aber die Physiotherapeutin und machte wieder Bewegungsübungen mit mir. Also ging die Kunsttherapeutin wieder und kam erst später. Mit ihr malte ich dann. Ich hatte am Tag zuvor eine Eingebung, was ich malen wollte. Eine Spirale aus Regenbogenfarben. Ich weiß nicht warum, es war eine spontane Idee, die ich hatte, die vor meinem geistigen Auge entstand, als ich mit ihr sprach.
Regenbogenfarben sind für mich reine Farben, dafür habe ich eine Vorliebe. Das weiße Sonnenlicht teilt sich in diese Farben. Warum die Spirale? Mag sein, dass alles auf ein Zentrum zuströmt - oder auch aus einem Zentrum herausfließt.
Die Visite wurde auf den Nachmittag vertröstet, weil ich gerade malte. Gegen Mittag waren wir fertig, es gab Mittagessen, und unmittelbar danach kamen meine Mutter und meine Schwester. Sie waren extra 150 km weit gefahren, um mich zu besuchen - und vor allem, weil mein Schwager darauf bestand *lach*. Ich war erstaunt, wieviele Menschen Interesse daran hatten, wie es mir geht.
Dann kam die Mitarbeiterin vom Sozialdienst und erklärte mir meine Möglichkeiten. Sie brachte mir einen Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis mit. Ich wusste bereits von meiner Hausärztin, dass ich als Krebspatientin einen beantragen kann. Meine Situation ist durch den Arbeitsplatzverlust besonders kompliziert, möglicherweise sollte ich den Schwerbehindertenausweis nicht beantragen, wenn ich eine neue Arbeit suche. Wer stellt denn so jemanden ein?
Noch während meine Mutter, Schwester und die Frau B. da waren, kam die Visite. Und die ließ sich diesmal nicht vertrösten. Die anderen gingen kurz raus, die Visite ging ja schnell. Es hieß, ich könnte am Samstag oder Sonntag nach Hause! *freu*
Erst um halb drei am Nachmittag kehrte Ruhe ein. Ich wollte den Termin für das Vorstellungsgespräch bestätigen, erreichte aber niemanden telefonisch. Mein Mann kam, und ich versuchte es noch zweimal mit dem Telefon. Niemand hob ab. Dann beschlossen wir, es per E-Mail zu machen. Im Krankenhaus gab es aber keinen Internetzugang, also bat ich meinen Mann, es von zuhause zu tun.
Ich hatte ja nun Telefon an meinem Bett. Aber Telefonieren ist gar nicht so einfach an so einem Tag. Es war ja immer was los. Und wenn man mal meint, jetzt könnte man jemanden anrufen, kam prompt wieder jemand rein und wollte was. Ich hab schon immer gesagt: Leute, ruft mich abends nach 19 Uhr an. Dann ist Abendbrot vorbei und da passiert nix mehr.
Die Operation
eikesmom, Mittwoch, 11. Januar 2006, 23:34
Am frühen Morgen schon um viertel nach sechs waren mein Mann und ich im Krankenhaus eingetrudelt. Die Nachtschwester, Schwester Elke, eine ganz ganz Liebe, brachte uns auf ein Zimmer. Von den zwei Betten konnte ich mir eins aussuchen. Ich wählte die Fensterseite.
Ich packte meine Tasche aus, legte alles in den Schrank. Ich bekam ein OP-Hemd, Einmalslip, Thrombosestrümpfe und sollte einen BH bereitlegen. Dann bekam ich eine Beruhigungstablette. Von der hieß es, wird man müde. Jaja, das kann ich bestätigen! Ich wurde im Bett liegend runtergefahren. In den Fahrstuhl rein, runter, aus dem Fahrstuhl raus - und dann wusste ich nichts mehr. Eigentlich hätte ich erst noch bei Bewusstsein bleiben sollen, während sie unter Ultraschall den Tumor mit einer Nadel markierten. Damit der Chirurg weiß, wo er schneiden muss. Aber das habe ich gar nicht mehr mitbekommen.
Es war viertel vor zwölf, als ich wieder aufwachte. Ganz langsam wurde ich wach, viel langsamer als damals nach meiner Gallenblasen-OP. Ich hatte Schmerzen unter dem Arm und in der Brust. Aber mit den Schmerzmitteln, die ich dann bekam, war es erträglich. Den Nachmittag döste ich so vor mich hin. Bei der ersten Visite hatte ich kaum Fragen, weil ich noch so müde war. Der Chirurg selbst war da, und er sagte, der Tumor sei ca. 1,7 cm groß gewesen. Und 15 Lymphknoten wurden mir entfernt.
Am Tag danach erfuhr ich dann, dass alle 15 Lymphknoten frei von Krebszellen waren! Das war doch mal eine tolle Nachricht! Ich fühlte mich richtig gut - bis auf meine Beweglichkeit, die war doch arg eingeschränkt. An richtigen Schlaf war nicht zu denken, wenn man nur auf dem Rücken liegen darf und der linke Arm auf einem Keil liegen musste.
Am Tag nach der OP habe ich bereits geduscht und mich mit der linken Hand gewaschen, weil die rechte Hand noch die Braunüle hatte. Die Physiotherapeutin und eine Physiotherapieschülerin kamen und zeigten mir Übungen, mit denen ich meine Beweglichkeit zurückgewinnen sollte. Sie waren sehr zufrieden mit mir. Sie sagten, ich sollte möglichst bald eigene Sachen anziehen und mich ganz schnell vom Bett verabschieden, dann klappt das noch besser.
Nach dem Mittagessen kam die Psychologin. Wir sprachen vielleicht eine Stunde lang miteinander. Ich fand, man kümmerte sich sehr gut um mich, es tat mir gut, jemanden zu haben, mit dem ich reden konnte. Dann kam auch eine Kunsttherapeutin, mit der verabredete ich mich dann für den nächsten Tag um 10 Uhr.
Am Nachmittag bekam ich dann den ersten Besuch von meiner Familie und Schwiegermutter. Eike hatte eine Blume gebastelt, und mein Mann brachte mir Post mit: die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch! Ich war ganz aus dem Häuschen! Ich war geradezu euphorisch. Ich ging davon aus, dass ich schnell wieder gesund sein würde und dann in einer neuen beruflichen Position durchstarte und wie Phönix aus der Asche steige!
Der Tag vor der OP
eikesmom, Montag, 9. Januar 2006, 23:33
Die Tage nach dem Vorgespräch im Krankenhaus am 4. Januar war ich nun morgens allein zuhause, mein Mann arbeitete wieder, mein Sohn war bei der Oma. Ich lag morgens im Bett und grübelte. Mannomann, war das schwer aufzustehen und den Tag zu beginnen! Irgendwie raffte ich mich auf.
Dann klingelte plötzlich das Telefon. Und den ganzen Vormittag stand es nicht mehr still. Insolvenzverwalter, meine Mutter, mein Vater riefen an. Ich selbst telefonierte mit der Krankenkasse insgesamt fast eine Stunde lang (mit mehrfachem Weiterverbinden). Um 11 Uhr kam ich erst dazu zu frühstücken. Okay, vielleicht war das ganz gut. Ich war gezwungen, mich zu kümmern. Um meine Finanzen. Meine Eltern wollten wissen, was die im Krankenhaus gesagt haben, wann ich operiert werden soll, und überall tauchten Bekannte, Nachbarn, Verwandte auf, die alle ebenfalls Brustkrebs hatten und dies oder jenes erlebt hatten. Ja, es war zur Normalität geworden. Scheinbar war jeder entweder betroffen oder kannte jemanden, der betroffen war.
Am Tag nach dem Termin im Krankenhaus stand also das Telefon nicht still. Auch in Sachen neue Arbeit tat sich etwas. Ich bekam Post, dass meine Bewerbung, die ich noch Ende Dezember abgeschickt hatte, geprüft würde. Oje, dachte ich, die sind aber schnell! Was ist, wenn ich eine Einladung bekommen soll und ich gerade im Krankenhaus bin? Trotzdem freute ich mich riesig über diese Post und sprang in der Küche herum wie ein kleines Kind! Ich träumte bereits davon, bald eine neue Arbeit zu haben, und das motivierte mich ungemein.
Am Wochenende holten wir unsern Sohn wieder von der Oma ab. Ich hatte die Tage einen gesegneten Appetit und aß Unmengen. Als wir Sonntag wieder zuhause waren, machte ich mich über Zartbitter-Erdnussberge her. Das war ein Fehler! Danach fühlte ich mich gar nicht gut. Am frühen Montagmorgen um halb vier hing ich überm Klo und übergab mich. Durchfall hatte ich auch. War das jetzt ein Magen-Darm-Virus? Oder bin ich einfach nur aufgeregt wegen der OP? Das sicher auch. Aber im Nachhinein wurde mir klar, ich hatte zuviel und ungesund gegessen, und da ich keine Gallenblase mehr habe, reagierte ich mit Durchfall und Erbrechen.
Zum Abend hin war mir zwar nicht mehr schlecht, aber mir tat alles weh. Es fühlte sich so an wie ein Magen-Darm-Infekt, aber das durfte nicht sein! Ich soll doch morgen operiert werden!
Beim Anruf im Krankenhaus sagte man mir, ich soll einfach mal gucken, wie es in der Nacht wird und ggf. morgen nochmal anrufen, wenn es nicht geht. Ansonsten soll ich um 6:45 Uhr da sein, ich bin gleich als erste dran.