Manchmal macht es KLICK
Manchmal macht es KLICK, und man begreift etwas Wesentliches im Leben. Ich habe solche Momente in letzter Zeit häufiger. Sie rütteln mich emotional dermaßen auf, dass mir die Tränen nur so wegfließen. Dabei sind es scheinbar Kleinigkeiten.

Als ich ein Kind war, sind meine Eltern mit mir und meiner Schwester häufig spazieren gegangen. Es ging durch Wälder, über Wiesen, jedenfalls durch die Natur. Damals fanden wir Kinder das manchmal öde, da rumzulaufen. Daran dachte ich gestern plötzlich, ich weiß nicht wieso. Und mir wurde schlagartig klar, wie wichtig das war, durch die Natur zu streifen. Pilze sammeln, die Blumen im Wald und auf den Wiesen schätzen zu lernen. Welches Kind weiß heute, was ein Buschwindröschen ist? Ein Spaziergang durch den Wald ist für mich heute etwas Wunderschönes, das Bild von Buschwindröschen im Wald erstand vor meinem inneren Auge, und mir kamen die Tränen vor Dankbarkeit, dass mich meine Eltern diese Erfahrung haben machen lassen.

Etwas anderes geschah durch das Schreiben dieses Tagebuchs. Ich schreibe hier öffentlich über das was ich denke, fühle, wie es mir geht, und was mit mir passiert. Früher hätte ich gedacht, wen interessiert das schon? Eine ganz liebe Freundin, Wegbegleiterin, sah noch vor 2 Jahren mich am Tor zur Welt stehen mit einem Seesack voller faszinierender Eigenschaften - aber ich stehe an der Schwelle, der Seesack ist fest verschlossen, und ich wage es nicht, die Schwelle zu übertreten. Was wäre, wenn ich heraustrete, den Seesack aufmache und den Inhalt zeige? Es werden Menschen stehenbleiben, neugierig sein. Es wird Menschen geben, die staunen, es wird vielleicht auch welche geben, die achselzuckend weitergehen. Aber es wird sicher auch welche geben, die länger verweilen. Das Leben besteht aus Begegnungen mit Menschen - so ungefähr steht es auf einem Bild, dass bei meiner Hausärztin an der Wand des Sprechzimmers hängt.
Nun gibt es sogar ein Bild von mir hier, mit Glatze. Ich habe den Seesack aufgemacht. Ich habe gesehen, das Menschen stehenbleiben und hier verweilen. Sie nehmen Anteil an meinem Schicksal, sie interessieren sich. Und dass mein Foto sogar sehr positive Reaktionen auslöste, selbst im engsten Familienkreis, von einer Seite, von der ich es gar nicht erwartet hatte, bedeutet mir sehr viel.

So schlimm die Krankheit Krebs auch sein mag, sie zwingt einen auch, über das Wesentliche im Leben nachzudenken. Sie hat mich weiter gebracht als eine Therapie es je in so kurzer Zeit geschafft hätte!
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Wieder sehr schlechtes Blutbild
Wie ich es schon ahnte - am Montag war mein Leukozyten-Wert bei 0.5, niedriger denn je. Ich sagte zu der Schwester, die mir die Granocyte-Spritze gab, dass wir unbedingt bei der letzten Chemo niedriger dosieren müssen, damit ich danach nicht unter 0.5 rutsche. Inzwischen sind die roten Blutkörperchen auch schon niedrig, am Montag bei 3.8. Normal sind 4.2 bis 5.4.

Die Schwester sagte aber, man könne die Dosis nicht niedriger machen, sondern nur die letzte Chemo ganz weglassen. Wenn ich der Meinung sei, dass eine geringere Dosis okay für mich ist, dann sollte ich darüber nachdenken, die Chemo wegzulassen. Sie gab mir auch den Tipp, ergänzend mit Naturheilverfahren, mit Homöopathie weiterzumachen. Dies fand ich gut, ich stehe der Homöopathie sehr positiv gegenüber, hatte das aber für den Krebs bisher nicht in Erwägung gezogen. Sie nannte mir eine erfahrene Ärztin, zu der ich gehen könnte.

Am nächsten Tag dann (heute) erneut zur Blutbildkontrolle: Der Leukowert ist auf 0.7 gestiegen, die roten Blutkörperchen schlagartig auf 3.3 gefallen. Ich rutsche doch mal eben in eine Anämie rein. :-( Eine andere Schwester gab mir die Spritze, und auch sie sagte, es ist nicht verkehrt, eine Chemo wegzulassen, wenn man das Gefühl hat, sie würde mehr belasten als nützen. Jede Patientin könne das nur für sich selbst entscheiden. Sie vermutete erst, ich hätte Angst vor einem Rezidiv, wenn ich die Chemo weglasse, aber dem ist nicht so. So war es zu Beginn der Therapie. Aber inzwischen liegen die Verhältnisse anders. Selbst wenn ich ein Rezidiv bekäme und hätte die 6. Chemo weggelassen, würde ich nicht denken, ach hätte ich damals nur... sondern ich würde denken, die eine Chemo hätte es wahrscheinlich auch nicht gebracht, mich davor zu bewahren. Denn ich erachte 5 Chemos für mich als genauso wirksam wie 6 Chemos bei einer durchschnittlichen Patientin, deren Blutwerte nicht so stark in den Keller rauschen. Die Reaktion der Blutwerte ist für mich ein Anzeichen der Wirksamkeit. Und so sehen es ja die Ärzte auch.

Ich will nicht unter 0.5 rutschen, ich will es nicht soweit kommen lassen, dass sie mich unters Isolierzelt stecken oder eine Bluttransfusion notwendig wird. Eine Patientin, die solche Bluttransfusionen hatte, deutete heute nur an, wie schlimm das war, sie war nicht bereit darüber zu sprechen. Ich bin nicht bereit, so etwas zu ertragen, allein nur für die eventuelle Möglichkeit, dass da noch Mikrometastasen sind. Ich habe das Gefühl, WENN es denn welche gegeben hat, dann sind die sicher durch 5 Chemos hinreichend bekämpft. Ich möchte vielmehr mein Immunsystem wieder aufbauen, so dass DIESES die Bekämpfung von entarteten Zellen übernehmen kann.
in: Brustkrebs
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Ich ahne Böses...
Wenn nicht Wochenende wäre, wäre ich sicher schon gestern oder heute zur Blutbildkontrolle gegangen. Seit gestern habe ich Halsschmerzen, die Mundschleimhaut spannt, ist rau und trocken. An der linken Wangeninnenseite ist eine Stelle, auf die ich immer draufbeiße, wenn ich beim Kauen nicht aufpasse. Es war daher ganz gut, dass es heute Suppe gab. Eine lecker Gyrossuppe, aber nicht scharf. Naja, jedenfalls habe ich nichts Scharfes schmecken können, kann ja sein, dass sie scharf war.... Glaub ich aber nicht.

Auf der kleinen Konfirmationsfeier, wo es die Suppe gab, war es sehr schön. Ich dachte nicht, dass ich so lange durchhalten würde (von 11 Uhr bis 17 Uhr), und dann noch so lange dabei stehen kann. Heute morgen dachte ich nämlich, ich kipp gleich um, wenn ich länger als 5 Minuten stehen soll.

Jedenfalls: dennoch fühle ich mich so, als würden meine Blutwerte diesmal tatsächlich so tief im Keller sein wie nie. Morgen werden wir sehen. Ich habe ein bisschen Angst, dass es so schlimm aussieht, dass die mich gleich dabehalten wollen.... Nein, das darf nicht passieren.

Für die nächste Chemo habe ich beschlossen, auf einer geringeren Dosis zu bestehen. Sollen sie so tun, als würde ich 5 kg weniger wiegen. Das Argument, dass das dann nicht ausreichen würde, um die Krebszellen optimal zu bekämpfen, zieht meiner Meinung nach nicht. Denn an den Blutzellen sieht man ja, dass die Zytostatika bei mir viel stärker wirken als beim Durchschnitt der anderen Patientinnen. Das geht auch konform mit der Wirkung von anderen Medikamenten. Ich brauche im allgemeinen eine viel geringere Dosis als andere Menschen. Das ist mir besonders bei Schmerzmitteln aufgefallen. Mein Hausarzt wunderte sich schon des öfteren, mit wie wenig Paracetamol ich ausgekommen bin.
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Fatigue
Ich habe einen Link gefunden, bei dem die Ursachen der Fatigue sehr gut beschrieben sind. Demnach ist es sehr wohl wichtig, dass mein Hb-Wert über 12 bleibt. Ich merke die Symptome alle sehr deutlich an mir. Ich bin schnell erschöpft. Ich bin antriebslos. Ich muss mich aufraffen, um mir selbst Essen zu machen. Ich bin müde. Und dann kommen immer wieder so Schüttelfrostanfälle. Mir ist aufgefallen, dass ich die besonders kurz vor der Mitte zwischen den Chemos bekomme. Manchmal habe ich am Ende leichtes Fieber (aber noch unter 38 Grad). Heute abend war es mal wieder ganz schlimm. Ich hatte gar keinen Appetit. Als ich am Abendbrottisch saß, schlotterte ich wie Espenlaub. Gänsehaut bis dorthinaus. Ich hab ein wenig Paprika gegessen und mir dann ein Brot mit magerem gekochten Schinken gemacht. Dann habe ich mich ins Bett verkrümelt, damit mir wieder warm wird. Nachdem der Schüttelfrost weg war, habe ich Fieber gemessen, hab aber keins.

Im Bett habe ich mit meinem Sohn "Mensch ärgere Dich nicht" gespielt. Aber wie das so bei diesem Spiel ist, wenn man verliert, ärgert man sich, besonders, wenn man 5 Jahre alt und ein schlechter Verlierer ist... Ich erzählte ihm, dass es doch darauf ankommt, miteinander zu spielen. Die Zeit, die wir miteinander verbringen, die ist kostbar. Wir spielten dann noch Mau-Mau, und auch da gab es Tränen, weil ich mal 2mal hintereinander gewonnen hatte *seufz*. Ich habe mich geweigert, mit Eike Mühle oder Dame zu spielen, denn dabei kann ich nicht künstlich verlieren, und das Spiel wird eh nie zu Ende gebracht, weil das Brett irgendwann wütend umgeworfen wird. Aber ich schweife ab....

Jetzt ist mir wieder warm. Ich habe gelesen, dass das Blut auch für den Wärmehaushalt verantwortlich ist. Kann also sein, dass auch dies eine Folge der Chemo ist. Auf der Seite über das Fatigue-Syndrom heißt es, dass man das mit dem Hormon Erythropoetin behandeln kann, besser noch als über eine Bluttransfusion, die nur kurzzeitig wirkt und die Transfusion einige Stunden dauert.
in: Brustkrebs
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Durchhalteparolen
Während es mir direkt nach der Chemo gar nicht mal so schlecht ging, hat es mich die letzten Tage richtig umgehauen. Prompt, als Eike wieder zuhause war, war ich vom Durchfall so geschwächt, dass meine Schwiegermutter kommen musste. Sie ist ein wahrer Schatz. Sie brachte Eike in den Kindergarten, sie brachte meinen Haushalt auf Vordermann - während ich den ganzen Tag im Bett oder auf der Toilette verbrachte.

Ich verfluchte die Chemo ein weiteres Mal, es kamen Gedanken auf, das Ganze hinzuschmeißen. Ich hab keinen Bock mehr, ich will nicht mehr! Aber dann war ich beim Frauenarzt - und der ist auch ein wahrer Schatz - denn er spürte genau, was in mir vorgeht und baute mich wieder auf. Es klang zwar so ein bisschen wie Durchhalteparolen, aber es wirkte. Und außerdem bin ich ja eh nicht der Typ, der was anfängt und nicht zu Ende bringt. Auch von Freundinnen bekam ich zu hören, dass ich den Rest wohl auch noch schaffe. Ist ja nur noch einmal Chemo.

Nun habe ich auch schon den Termin für das Planungs-CT als Vorbereitung für die Strahlentherapie. Es hilft auch, sich gedanklich schon mal damit zu befassen - um sich von den Folgen der Chemo abzulenken. Und das Gefühl, dass die Strahlentherapie nicht mehr so belastend sein wird wie die Chemotherapie, das gibt mir auch wieder Auftrieb.

Eben habe ich etwas in der Sonne auf der Terrasse gesessen, nicht lange, denn ich muss ja aufpassen, dass ich mir nicht noch einen Sonnenbrand weghole. Aber so ein paar Minuten wird ja wohl gehen. Ich habe einen geschälten Apfel gegessen. Geschält, weil auf der Schale auch nach dem Abwaschen Keime sitzen können, gegen die ich mich momentan nicht wehren kann. Ich bin gespannt, wie die Blutwerte Montag aussehen werden, aber ich gehe mal davon aus, dass ich wieder Granocyte bekommen muss.
in: Brustkrebs
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Sonnenschein und Müdigkeit
Nun lacht draußen die Sonne, aber so richtig genießen kann ich es nicht. Es ist ziemlich windig bei uns auf der Terrasse. Aber zumindest baut mein Mann fleißig am Zaun und hat heute denselben gestrichen. Bei dem Wind und dem Sonnenschein trocknet die Farbe schnell, und schon sind auch die Blumenkästen drauf!

Ich bin derweil meist am Schlafen. Vormittags, nach dem Mittagessen, am Nachmittag auf dem Sofa.... Ich vermute, dass der Hb-Wert und die gerade wenigen roten Blutkörperchen die Ursache sind. Ich fühle mich dermaßen schlapp wie noch nie. Donnerstag habe ich einen Termin bei meinem Frauenarzt, vielleicht verpasst er mir ja Eisentabletten.

Mit dem Sonnenbaden soll ich auch aufpassen, sagte die Ärztin im KH. Ich bin da eh vorsichtig, möchte die trockene Haut nicht auch noch mit nem Sonnenbrand belasten.

Gedanklich bin ich jetzt schon so langsam bei der Strahlentherapie. Ich muss morgen da anrufen und einen Termin für das Planungs-CT vereinbaren. Ich bin ja gespannt, wie das so abläuft. Ob ich da mit den Physikern fachsimpeln kann, oder ob ich da wieder "nur" mit Gerätebedienern zu tun habe, die gerade mal wissen, wie sie mit der Maschine umgehen sollen? Ich will deren Arbeit keineswegs gering erachten, im Gegenteil. Aber ich würde schon gern wissen, wie das alles funktioniert.
in: Brustkrebs
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