4. Chemo
eikesmom, Freitag, 14. April 2006, 01:20
Heute habe ich die 4. Chemo bekommen. Vorher war ich noch in der "Inneren" zum Herzultraschall. Mein Herz ist immer noch prima in Ordnung - alles andere hätte mich jetzt auch gewundert. Ich wurde zweimal geschallt, weil da wohl gerade eine Ärztin in Ausbildung ist, und da das bei mir so gut klappte, freute sie sich über mich als Übungsobjekt. :-)
Mein Leukozytenwert hatte sich von letzten Freitag (1.1) heute auf 4.8 erholt. Nicht schlecht, Herr Specht! Dennoch habe ich aufgrund der Tendenz der Werte, die immer am Tag der Chemo gemessen wurden, ausgerechnet, dass es bei der 6. Chemo eventuell nicht reichen könnte.
Jedenfalls konnte es heute losgehen. Die Armbeuge fiel ja nun aus, also piekste man mich heute unterhalb des Handgelenks auf der Innenseite an. Eine sehr empfindliche Stelle! Aber es klappte. Die Infusionen liefen prima. Allerdings nach dem Adriamycin rötete sich am ganzen Unterarm die Haut - dort wo die Vene langgeht. Au weia, geht das schon wieder los? Ich bekam aber nach der Chemo gleich Heparinsalbe drauf, und die Rötung am Arm ging zurück. Nur um die Einstichstelle herum sah es noch etwas blaurot verfärbt aus.
Ich bin auf dem Weg nach Hause schon fast eingeschlafen. Ich fürchte, diesmal haut es mich auch heftig aus den Puschen. Heute nachmittag habe ich auch geschlafen, mit nem Kühlkissen auf meinem Arm. Gleich geht es für die Nacht in die Heia, muss nur noch Heparinsalbe auftragen. Mein Darm macht Probleme, ich habe schmerzhafte Blähungen und so ein Gefühl, als wird mir schlecht. Aber ich glaube nicht, dass ich erbrechen muss. Schauen wir mal, wie die nächsten Tage werden. Sohnemann will ja jetzt doch bis Sonntag bei Oma bleiben. Sonntag planen sie einen Ausflug. Am liebsten würde ich ja mitfahren, aber das wird wohl nicht gehen.
Messungen und Analysen
eikesmom, Dienstag, 11. April 2006, 01:15
Ich frage mich gerade mal, wie genau eigentlich solche Blutbilduntersuchungen sind. Also wenn es heißt, mein Leukozytenwert liegt bei 1.1, also 1.1 Milliarden Leukozyten pro Liter Blut, mit welcher Messwerttoleranz ist dieser Wert behaftet? Hm, hätte ich heute mal meine Hausärztin fragen sollen. Sie hatte richtig Zeit für mich heute. Es war ein gutes Gespräch. Ich habe ihr mein Diagramm gezeigt, dass ich gemacht habe:

Die Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und Thrombozyten (Blutplättchen) reagieren viel stärker auf die Chemotherapie als die Erythrozyten (rote Blutkörperchen). Das liegt daran, dass die roten Blutkörperchen eine viel längere Lebensdauer haben (so 120 Tage), erklärte mir meine Ärztin. Das Paradoxe, dass ich jetzt weniger bis gar nicht von Infekten belastet bin im Vergleich zu früher vor der Chemotherapie, erklärt sich sicher auch damit, dass zum einen auch Bakterien von der Chemo abgetötet werden, zum anderen die Leukozyten immer frisch und damit fitter sind als früher. Das, was die Chemo machen soll, nämlich kranke, abartige Zellen abtöten, gilt nicht nur für Krebszellen, sondern auch für Blutzellen. Wer weiß, wie viele "kranke" Blutzellen so im Körper sind, die sich sonst auch vermehren und gar nicht so ihre Funktion ausführen können, wie eigentlich gedacht.
Gewissermaßen räumt die Chemotherapie kräftig auf: sie schmeißt Altes und Ausgedientes auf den Müll und lässt Neues einziehen. Diese Sicht auf die Situation finde ich sehr interessant. Schon im letzten Jahr nach meiner Gallen-Operation hatte ich das Gefühl, "aufgeräumt" zu haben. Und dieses Aufräumen zeigte sich auch äußerlich. Ich habe aus meinem Haus, aus meinem Büro auch einiges ausgemistet und auf den Müll geworfen und fühlte mich befreit!
Es geht bergauf
eikesmom, Sonntag, 9. April 2006, 01:14
Gestern, am Freitag, war ich nun nochmals zur Blutbildkontrolle. Der Leukozytenwert ist wieder auf 1.1 angestiegen. Nun war auch die Ärztin im KH der Meinung, die Granozyte-Spritze brauche ich nicht mehr. Ich fühlte mich gut. Nach einer kurzen Rücksprache mit der Ärztin habe ich auch entschieden, die restlichen drei Chemos ohne Port zu versuchen, zumal die Venenentzündung in meinem Arm besser zu werden schien.
Die Ärztin ermunterte mich auch, am Nachmittag zu dem Treffen mit Freundinnen zu gehen, obwohl ich ja ziemlich infektgefährdet bin. Es tut einfach auch für die Psyche gut, wenn man mal aus seinen 4 Wänden rauskommt und liebe Menschen trifft.
Und das war auch sehr schön! Die Mädels sahen mich das erste Mal mit Perücke, und sie fanden, ich sehe gut aus. Das tut richtig gut, sowas zu hören!
Heute war ich noch nicht angezogen, als schon der Postbote kam und mir den langersehnten TFT-Bildschirm brachte. Schon seit Jahren wünsche ich mir so ein Teil, und nun habe ich mir den gegönnt von dem Geld, das ich zum Geburtstag geschenkt bekam. Einfach klasse! Kein Flimmern mehr! Balsam für die Augen!
Notwendig oder nicht?
eikesmom, Donnerstag, 6. April 2006, 01:13
Nachdem am Montag der Leukozytenwert nur bei 1.1 lag, sollte ich heute nochmal zur Blutbildkontrolle kommen. Heute war der Wert nun unter 1 gerutscht, liegt nur noch bei 0.8. Dabei fühle ich mich ja nicht krank, nur dass ich heute tierische Kopfschmerzen hatte, schon gleich nach dem Aufwachen.
Ich dachte, nun werden sie mir im KH diese Granulozytenanregung verpassen. Etwas verwundert war ich dann, dass die Ärztin im KH mich damit zum Hausarzt bzw. Frauenarzt schickte. Der sollte mir das verschreiben und heute gleich spritzen. Ich nahm es zur Kenntnis und beschloss, gleich zu meiner Hausärztin zu fahren.
Dort angekommen, bot man mir den Ruheraum als Warteraum an, um mich nicht mit den Krankheitskeimen der anderen wartenden Patienten zu belasten. Meine Hausärztin war auch etwas verwundert, dass sie das Medikament zur Granulozytenanregung verschreiben soll. Sie schaute nach und sagte, eine Ampulle davon kostet 150 €! Ich fiel fast vom Stuhl! Sie sagte, sie könne mir das nicht verschreiben, da sie das dann aus eigener Tasche bezahlen müsste. Außerdem sagte sie, die Leukozyten erholen sich auch so wieder, und solange ich keinen Infekt und keine Beschwerden bekäme, ist die Gabe eines solchen Medikaments schwer zu begründen. Der einzige Sinn ist der, dass evtl. die nächste Chemotherapie pünktlich stattfinden kann - bzw. andersrum formuliert, die Gefahr, wenn man nichts unternimmt, ist, dass sie eben verschoben werden muss, wenn sich das Blutbild bis dahin noch nicht erholt hat.
Als ich ihr dann noch erzählte, wie die mir heute das Blut abgenommen haben, hatte sie Zweifel an der Richtigkeit des Ergebnisses. Weil nämlich beim Drücken des Fingers auch Gewebeflüssigkeit mit rausgedrückt wird und das Blut verdünnt, können die Ergebnisse zum Schlechteren hin verfälscht sein. Daraufhin wollte sie mir Blut abnehmen, um den Wert zu überprüfen, und wenn sich herausstellt, dass der Wert eigentlich viel besser ist, dann müsste ich morgen nicht wieder ins KH. Nun, das Problem war jetzt, wo abnehmen. Die Armvene ist entzündet. Also versuchte sie es am Handgelenk. Drei Versuche schlugen fehl. Normalerweise ist sie ziemlich gut darin, sie hat selbst mal in der Onkologie gearbeitet. Ich weiß auch, dass sie ziemlich gut ist, aber heute klappte es nicht. Schließlich beschlossen wir, das Blut aus dem Ohrläppchen abzunehmen. Und das klappte prima! Das Blut lief freiwillig und musste nicht rausgequetscht werden.
Anschließend standen drei Arzthelferinnen/Azubis um ein Mikroskop, um die Leukos zu zählen. Ich durfte auch einen Blick reinwerfen. Ich sah viele dunkle Flecke, aber nicht alle sind Leukos. Nur die dicken runden, hieß es. Das ist gar nicht so einfach! Nun ja. Jedenfalls bestätigte sich aber der niedrige Wert. Dennoch bleibt es dabei, ich bekomme diese Granozyte-Spritze nicht - und ich werde auch erst Freitag wieder zur Kontrolle ins KH fahren.
Nach dem Drama mit meinen Venen überlege ich nun, ob es nicht doch besser ist, mir einen Port einsetzen zu lassen. Allerdings sind es ja nur noch drei Chemos.... Soll ich oder soll ich nicht?